7. Januar, Taufe des Herrn

Taufe des Herrn

 

Wenn man das Geschehen einer Taufe einmal durch die Augen eines Nichtchristen betrachtet,  ist es ja eigentlich eine ziemlich merkwürdige Veranstaltung:

 

von außen betrachtet gießt da jemand ein wenig Wasser über den Kopf eines kleinen unschuldigen Wesens, setzt ihm für es vollkommen unverständliche Zeichen mit dem Finger auf die Stirn, ölt es mit einer Salbe ein, die ihm von außen betrachtet höchstens seine zarten Haare verklebt und kleidet es in weiße Gewänder, die von Neugeburt in Christus sprechen und auf den, der damit nichts anfangen kann nur bizarr wirken kann, weil dieses Kind doch vor kurzem tatsächlich ein Neugeborenes war, aber jetzt in der Situation der Taufe doch von Neugeburt wirklich nichts zu sehen ist- schließlich schreit und lacht das selbe Kind vor und nach der Taufe auf die gleiche Weise wie zuvor.

Also, was soll das Ganze?

Ist es nicht einfach nur das Abspielen von längst überholten Zeichen aus einer Zeit an der man noch an Gott glaubte, aus einer Zeit, in der die Welt noch eine Scheibe war und Gott die Welt in sieben Tagen erschuf, der Mensch aus dem Lehm und dem Atem Gottes entstanden war und nicht vorläufiger Höhepunkt der Millionen Jahre alten Evolution?

 

Es ist wie so oft: das Ganze spielt sich auf einer anderen Ebene ab als der, die ich mit äußeren Sinnen wahrnehmen kann. Es ist ein Sinnesorgan, das irgendwo in uns sitzt, nicht lokalisierbar, nicht im Herzen jedenfalls, vielleicht in den Tiefen unseres Gehirns, bis jetzt aber nicht messbar, nachweisbar.

Nur auf dieser Ebene jedenfalls ist erklärbar, was wir hier tun, ist erklärbar, was in einer Taufe geschieht.

 

 

 

Weil die Kirche die Weihnachtszeit mit dem Fest der Taufe des Herrn beendet, können wir uns an dieser Stelle noch einmal mit dem Wesen der Taufe auseinandersetzen, schließlich wurde sie irgendwann an uns allen vorgenommen, oft ungefragt, in einer Zeit, an die wir keine eigene Erinnerung haben.

 

Zentrales Element ist das Wasser. Auch hier wieder eine spannende Ambivalenz.

Neben der Luft gibt es für alles Leben auf der Erde kein wichtigeres Element. Die Biologie sagt uns, dass wir zu einem großen Teil aus eben diesem Element bestehen; die Evolutionsgeschichte sagt uns, dass wir Landlebewesen vor Millionen Jahren dem Wasser entstiegen sind; die Medizin sagt uns, dass wir ohne Flüssigkeit zu uns zu nehmen, nicht lange überleben würden.

Und doch: Ein Tsunami aus Wasser beendet sehr schnell manchmal für Tausende von Menschen das Leben, Überschwemmungen bedrohen das Leben vieler Lebewesen und ein paar Minuten unter Wasser gehalten bedeuten für uns den sicheren Tod.

 

Beides wird in der Taufe ausgedrückt: dieses Wasser der Taufe ist das Wasser des Lebens, es will an die Kraft, an die Energie, an die Lebensnotwendigkeit dessen erinnern, für den das Wasser steht: Kind, ohne Wasser, ohne Gott bist  Du nichts. Aus diesem Wasser bist Du gekommen, Gott ist Dein Ursprung.

Dieses Wasser, dieser Gott will Dich erfrischen, stärken, Dich mit Leben durchtränken.

Und doch ist das Zeichen der Taufe auch ein lebensbedrohendes.

In unserem Becken draußen ist es durch die Größe, in die ein Mensch passen würde noch angedeutet und andere christliche Gruppen machen es noch heute so bei der Taufe: Der Mensch wird untergetaucht, bleibt für eine kurze Zeit ohne Luft, erfährt das Bedrohliche, das mögliche Ende des Lebens und taucht dann wieder auf, zu neuem Durchatmen, zu neuem Leben, zu Gott.

Und da berührt es mich dann oft und immer wieder, da wird  das von außen betrachtet merkwürdige Tun stark, lebendig und sinnvoll: Wer mit Gott in Berührung kommt, wird erschüttert, der spürt die alles fassende Kraft, das alles umwerfende, Grundverändernde dieses Gottes, dieses Urgrunds menschlichen Seins. Wer in diesen Gott eintaucht, kommt anders wieder heraus. Der ist beim Namen  gerufen. Nicht umsonst beginnt die Taufformel mit dem Namen: Max, Marie, Lukas, Paula und wie sie alle heißen: Ich taufe Dich, Dich persönlich, ausgedrückt durch Deinen Namen im Namen eines anderen, der hinter Dir steht, der dein eigentlicher Lebensgrund ist, der, der in jeder Zelle Deines Körpers vorhanden ist, Dich durchdringt, für Dich elementar, existentiell ist wie das Wasser.

 

Und dann wird dieser kleine Mensch gesalbt, eine Handlung, die eigentlich nur den Königen und Priestern zuteilwurde.

Du Mensch, Susanne, Walter, Anna oder Johannes bist etwas einmaliges, großartiges, etwas einzigartig wertvolles, unwiderrufbar vom Urgrund allen Lebens gewollt und geliebt. Mach Dir keine Sorgen, egal, was auf Dich zukommt, Du bist umfasst von diesem Gott, wie die Luft, die Du atmest, ganz umgeben und von Dir eingeatmet.

 

Von der Erbsünde befreit, so haben wir das gelernt und so wird es heute immer noch verstanden.

Und so ist es auch: Ich muss doch unser menschliches Leben nur klar anschauen: da ist doch niemand, der absolut ohne Fehler dastünde, da ist niemand klinisch rein, sündenlos. Der Kirche wird immer wieder vorgeworfen, das Konzept der Sünde entworfen  zu haben, um die Menschen besser zu kontrollieren.

Ja, es ist etwas Wahres daran. Ein Mensch mit schlechtem Gewissen ist besser zu kontrollieren und an die sündenvergebende Macht der alleinseligmachenden Kirche zu ketten. So ist es über Jahrhunderte geschehen.

Und doch darf diese Pervertierung nicht den Blick auf das verdunkeln, wie der Mensch nun einmal ist: eingebunden in die Möglichkeiten menschlichen Tuns.

Unsere Freiheit ergibt nun einmal Taten, die mal gute und mal schlechte Früchte tragen. Es gibt niemanden, der nur gute hervorbringt. Wir sind diesen Strukturen ausgeliefert. Aber eben nicht wehrlos.

Die Taufe erinnert uns daran und will uns die Kraft dazu geben, sich aus diesem Kreislauf, aus diesem Teufelskreis des falschen Tuns zu befreien. Binde Dich an diesen Jesus, der die andere Wange hingehalten hat, der sich für seine Überzeugung sogar auspeitschen, verachten und am Ende kreuzigen ließ. Das Böse mit der Kraft des Guten aushebeln, ihm seine Macht nehmen, es überwinden.

Dann ist das Vererbte der Sünde in mir ausgeschaltet, unwirksam, dann bin ich von der Erbsünde befreit.

 

Liebe Gemeinde, wir haben uns zu Beginn noch einmal mit geweihtem Wasser zur Erinnerung an die Taufe besprengen lassen. Von außen betrachtet wurden wir mit ein paar Wassertropfen bekleckert, aber von innen gesehen erinnerte das Geschehen an das, was wir im Kern sind: von Gott berührte, von ihm umfasste, von Anfang an mitgedachte und ewig geliebte Geschöpfe.