6. Juli, 14. Sonntag im Jahreskreis

Mt 11. 25-30

 

Alles easy, alles im grünen Bereich, immer positiv denken. Solche Sprüche kann man öfters hören, wenn Menschen gefragt werden, wie es ihnen geht.  So sieht und hört man es in Filmen oder im öffentlichen Bereich, so plappern es viele nach.

Die Antworten sind damit oft genauso harmlos und oberflächlich wie die passende Frage dazu: das How are you oder das Alles klar?…

Ein Zeichen dafür, wie wichtig es geworden ist, eine gute Figur zu machen, wichtiger jedenfalls als Ehrlichkeit und Eingeständnis von Schwächen.

Sicher, man muss ja nicht jeden Menschen in sich hineinschauen lassen, aber sicher ist auch: Ich muss nicht mitmachen im großen Spiel des „Locker-Seins“, bei dem sich alle gegenseitig etwas vormachen.

Mit ein paar Schritten ließe sich an dieser Haltung etwas ändern:

Der erste Schritt hin zum Nicht-Mitmachen ist die Einsicht: Nein, es ist nicht alles easy. Vieles macht mir zu schaffen. Manche Sorgen verfolgen einen bis in die Träume hinein.

Lassen Sie uns wenigstens uns selbst gegenüber ehrlich bleiben. Wir haben oft eine Menge an Lasten zu tragen. Es gibt Dinge, bei denen weiß man manchmal einfach nicht weiter. Wenn mir da einer sagt: Du musst einfach positiv denken, fühle ich mich schlichtweg veräppelt.

Außerdem kommt der andere damit viel zu billig davon,  schließlich lässt er mich damit mit meiner Not alleine, beschwert sie vielleicht sogar noch, weil es alles nur ein Problem der Einstellung sein soll.

 

Der zweite Schritt – auch nicht einfach- wäre wohl die Bereitschaft, sich helfen zu lassen. Ich muss nicht alle meine Belastungen mit mir allein herumtragen.

Hilfe muss nun wahrlich nicht gleich vom Therapeuten oder Arzt kommen. Das kann jeder Mensch in meiner Umgebung oder meinem Freundeskreis sein, von dem ich weiß, dass er im allgemeinen Spiel der Oberflächlichkeit nicht mitmacht, jemand, der selbst von seinen Schwächen weiß, jemand, der keine Maskerade erwartet, sondern das ehrliche Gespräche schätzt. Jemand, der zunächst einmal nur eine einzige Bereitschaft mitbringt, nämlich mir zuzuhören.

 

Wie oft habe ich erfahren dürfen, wie es Menschen einfach gut tut, dass einer da ist, der zuhört.

Und ja, es stimmt: Es hilft, dass ich alles einfach mal aussprechen kann. Es ist dann raus, es verliert ein wenig seine Macht über mich, es liegt vor mir und ist nicht mehr nur in mir.

Vielleicht hat er dann auch einen Rat für mich oder einen Tipp oder wir überlegen gemeinsam, was mir helfen und den augenblicklichen Druck wegnehmen kann.

Damit kommen wir zum dritten Schritt: Abgeben bzw. abgeben können, nicht alles bei mir behalten, nicht alles mit mir alleine herumtragen.

Genau so verstehe ich die Einladung Jesu im eben gehörten Evangelium „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.“

Wie soll das gehen?

Für dieses Abgeben an ihn gibt es beispielsweise einen wunderbaren Ort, einen ganz traditionellen übrigens. Früher nannte man das das Abendgebet oder Gewissenserforschung.

Da trete ich vor Gott hin und mache zunächst einmal überhaupt keine großen Worte. Ich spüre einfach, was in mir ist, an Freude und Frust, Ärger und Sorgen, Hoffen und Gelingen, Scheitern und Schuld. Ich kann vor ihm klagen, schweigen, schimpfen und jammern. Ich kann ihn loben und preisen, genauso so wie es jetzt gerade in mir ist.

Und dann?

Dann werde ich schweigen und hinhören und immer wieder auch Antwort erhalten.

Nicht sofort.

Manchmal durch meine innere Stimme.

Manchmal auch durch andere Menschen.

Und manchmal wird die Erkenntnis einfach da sein, die mir  weiterhilft.

Denn Gottes Gegenwart ist nicht eine Last, die mir aufgelegt wird, ein Joch, das mich den armen Menschen klein halten will, sondern seine Last ist nicht schwer und sein Joch leicht.

Wohl dem, der sich das Gebet als Innehalten vor Gott bewahrt hat, gelehrt von manchmal einfachen Menschen, den Unmündigen und Kleinen, wie es Jesus formuliert.

Da braucht es keine Ratgeber mit Auflagen im Millionenbereich oder TED-Talks.

Da kann ein Gespräch mit einer alten Dame oder einem alten Herrn, der schon viele schwierige Lebenssituationen als Mensch durchmachen musste, hilfreich sein. Nicht die Lauten, die Erfolgreichen sind da die besten Lehrer, sondern die vermeintlich Unmündigen und Kleinen, bei denen, die wissen, dass nie ALLES KLAR ist und das Leben auch manchmal im ROTEN und nicht immer im GRÜNEN Bereich liegt.