17. August, 20. Sonntag im Jahreskreis
So hatten wir uns das nicht vorgestellt:
Wenn wir an Taufe denken, dann stellen wir uns einen süßen Säugling vor, der von netten Menschen umgeben in einer freundlichen und friedlichen Atmosphäre ein wenig mit Wasser übergossen und anschließend gefeiert wird.
Wir denken dabei an Jesus, der die Kinder nicht zurückweist, sondern im Gegenteil, die Gemeinde auffordert sich an ihnen ein Beispiel zu nehmen oder daran, dass Jesus selbst im Jordan von Johannes d. Täufer getauft wurde.
Alles schön, alles friedlich, alles hübsch und alles ein wenig harmlos.
Und dann dieses Evangelium:
Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter,
und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.
Wer braucht denn so etwas? Spaltung? Haben wir in dieser Welt genug! Frieden den hätten wir nötig-
und den weigert er sich zu bringen?
Und dann wird einer gegen den anderen kämpfen, Familienzwist pur? Wenn das Taufe bedeutet, kann jeder von uns vermutlich gerne darauf verzichten.
Nun, Jesus sagt diese Sätze auf dem Weg nach Jerusalem. Er ist also schon lange getauft und erwartet jetzt eher den großen Streit um seine Person und seine Lehre als ein friedliches Meditieren seiner Standpunkte und Überzeugungen.
Heute würde man vielleicht sagen, dass er auf Krawall gebürstet war, vorbereitet darauf, sich verteidigen zu müssen, Anklage erwartend, gar um sein Leben kämpfen zu müssen.
Wenn er also von Taufe in diesem Zusammenhang spricht, dann geht es sicher nicht um das Sakrament, wie wir es feiern, sondern um ein prägendes Ereignis, das er erwartet, einen Sturm, durch den er hindurch muss, durch ein Stahlbad eher als durch eine Taufe im friedlich vor sich hinfließendem Jordan.
Und so kam es ja auch für ihn.
Er musste am Ende durch Verhaftung, Folter und Kreuzigung in den Tod gehen.
Ein Ereignis, an dem sich nach seiner Auferstehung die Geister schieden. Die einen wurden seine Fans, seine Jünger, bauten Gemeinschaften und Gemeinden auf, die anderen verfolgten eben diese Jünger, Gemeinschaften und Gemeinden.
An Jesus schieden sich die Geister- und das ging sicher auch durch Familien, drei gegen zwei, Väter gegen Söhne, Töchter gegen Mütter und Schwiegermütter gegen Schwiegerkinder.
Wenn wir diesen Text aber nicht nur als eine religiöse Erzählung aus der Vergangenheit betrachten, sondern auch die Frage stellen, ob er in irgendeiner Form Bewandtnis für uns hat, dann meine ich, dass es an dem Satz hängt, „ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen“.
Es ist ja kirchen- und sozialgeschichtlich so, dass über lange Jahrhunderte in unserer Weltgegend die Taufe -und damit das christliche Bekenntnis- Standard war, ob nun in ihrer katholischen, evangelischen oder orthodoxen Form, sei einmal beiseitegelassen.
Man war getauft- und wenn es einer nicht war, so war das zumindest in meiner Kindheit im Sauerland so, dann wurde hinter vorgehaltener Hand geflüstert, dass der ja o.B. sei, ohne Bekenntnis also, wie man das offiziell in Dokumenten anzugeben hatte.
Getauft zu sein brachte keinen Streit, Nicht-Getauft zu sein schon eher. Nicht das christliche Bekenntnis brachte Feuer auf die Erde, sondern gegen den christlichen Glauben zu sein konnte für heftige Auseinandersetzungen sorgen.
Das ist heute zwar nicht genau anders herum, aber es ist inzwischen eher egal. Wir sind der Auffassung, dass Religion Privatsache ist, etwas, das der Einzelne mit seinem Gott auszumachen hat, ansonsten aber bitte die anderen nicht damit behelligt.
In Anbetracht dessen, was Religion anrichten kann und an mancher Stelle auch immer noch anrichtet, eine gar nicht so schlechte Position.
Und dennoch: Wenn es vollkommen gleichgültig wäre, ob ich dieser oder jener Auffassung anhinge, wenn es vollkommen egal wäre, ob ich Christ, Muslim, Buddhist, Hindu oder sonst was wäre, dann kann ich es auch gleich lassen. Überzeugungen drücken sich aus.
Wenn ein Christ an die Ebenbildlichkeit des Menschen glaubt, also davon überzeugt ist, dass ihm in jedem Menschen ein Abbild Gottes begegnet, wird er mit größerem Respekt mit jedem Menschen umgehen als wenn er in ihm nur ein zufälliges und austauschbares Produkt der Evolution sieht.
Wenn ein Christ an Himmel und Paradies, an ein Fortleben nach dem Tod glaubt wird er eine andere Einstellung zu Leid und Tod haben als derjenige, der alles aus diesem einen Leben herausholen muss, weil es sonst ja nichts anderes gibt.
Zwei Beispiele nur, die verdeutlichen können, dass es eben nicht egal ist, zu welchem Weltbild ich mich bekenne. Ein Christ ist von etwas anderem geprägt als ein Hindu, ein Jesusjünger etwas anderes als ein Mohammedjünger, einer, der der Nächstenliebe verpflichtet ist, ist ein anderer als der, der dem Marxismus oder dem Kapitalismus anhängt.
In dem Sinne bringt Jesus eben nicht nur Liebe, Barmherzigkeit und Frieden, sondern auch Spaltung. Spaltung, die auf Unterscheidung beruht. Ein Christ unterscheidet sich. Einem Christen sollte man anmerken, dass er anders tickt. Ein Christ macht nicht alles mit, was gerade modern ist. Ein Christ hinterfragt, ob das, was er vorfindet dem Doppelgebot der Liebe und den 10 Geboten entspricht- und wenn nicht, dann lehnt er es ab, unterscheidet sich.
Ich glaube, dass Überzeugungen heute wieder mehr gefragt sind, mehr in die Öffentlichkeit gehören.
Wir haben uns dank der liberalen und offenen Welt, in der die meisten von uns aufgewachsen sind, daran gewöhnt, unsere inneren Überzeugungen im Privaten zu halten und anderen ihre zu lassen. Das hat ja auch ziemlich lange zu einem guten Miteinander geführt. Inzwischen aber meine ich, sind auch Christen gefragt, ihren Mund aufzumachen, wenn gehetzt, geschmäht und Hass gesät wird. Nicht jede öffentlich gemachte Überzeugung ist um des lieben Friedens willen zu tolerieren, sondern es muss auch einmal widersprochen werden.
Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu bringen.
Das Feuer des Hl. Geistes, das Feuer, das von Einsatz zeugt, ein Feuer, das gegen Gleichgültigkeit, Hass und Ungerechtigkeit brennt.
Wie würde man in sprachlich merkwürdigem Deutsch heute sagen: Christsein macht den Unterschied.
