12. April, 2. Sonntag der Osterzeit
Die gehaltene Predigt kann hier nicht veröffentlicht werden, weil sie frei und ohne Manuskript gehalten wurde.
Hier nur der Text der ursprünglich vorgesehenen Predigt:
Apg. 2,42-47
Ich möchte heute mit Ihnen die Lesung aus der Apostelgeschichte anschauen. Darin steht nämlich ein erstaunlicher Satz: „…denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen.“
Dieser Satz nämlich macht mich immer wieder nachdenklich. Wir kennen die vielen Wundererzählungen, die immer wieder von Jesus berichtet werden. Die Heilungen von Lahmen, von Blinden, von Besessenen und sogar von Totenerweckungen. Daran haben wir uns sozusagen gewöhnt. Von Jesus erwarten wir das sogar, schließlich bekennen wir ihn ja als Sohn Gottes.
Aber hier wird etwas anderes erzählt.
Hier nämlich geschehen die Wunder durch die Apostel. Durch ganz und gar alltägliche Menschen, von denen wir ja wissen, dass sie vor ihrer Begegnung mit Jesus ganz normalen Berufen nachgegangen sind.
Sie unterschieden sich diesbezüglich in nichts von den anderen Bewohnern Israels.
Und dann das: Durch diese total normalen Menschen geschahen Wunder und Zeichen.
Das ist es, was mich nachdenklich macht.
Wo bleiben unsere Wunder, unsere Zeichen?
Gibt es das; z.B. Wunderheilungen durch Christen?
Denn auch wir verstehen uns doch als Menschen, die Jesus nachfolgten, genau wie die Apostel damals.
Eines vorweg: Ich verstehe Wunder nicht als Scharlatanerie. Ein Schwerkranker wird nicht einfach heil dadurch, dass ihm einer mal kurz die Hände auflegt- auch wenn ich nicht ausschließen will, dass das schon einmal vorgekommen ist. Aber in der Regel werden bekanntlich die Naturgesetze nicht durch Geisteshandlungen aus den Angeln gehoben.
Und trotzdem steht ganz eindeutig in einem anderen Kapitel der Apostelgeschichte: „Und alle wurden geheilt.“ – und zwar durch die Jünger.
Diese Berichte aus den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte stehen noch ganz unter dem Eindruck der Auferstehung Jesu, dieses zentrale Ereignis, das offensichtlich alles verändert hat. Aus enttäuschten frustrierten und verängstigten Anhängern, die teilweise schon wieder ihrem alten Beruf, dem Fischen nachgingen, wie es im Joh.evgl. heißt, werden Leute, die durch´s Land ziehen, Anhänger finden, Gemeinschaften aufbauen und ganz offensichtlich Menschen begeistern und anstecken können mit ihrem Wirken.
Überhaupt ist dieser Wandel auch deswegen erstaunlich, weil bis zum Tod Jesu alle, die ihm folgten als Anhänger eines Verbrechers zählten.
Denken Sie nur an Petrus, wie er seine Zugehörigkeit zu Jesus leugnete aus Angst mit hineingezogen zu werden.
Und von diesem gleichen Petrus wird erzählt, dass er nach der Auferstehung Kranke heilte und ihm die Menschen in Scharen zuliefen.
Was war da nur alles in Bewegung geraten.
Offensichtlich ist, dass das Erlebnis der Auferstehung der Schlüssel zu dieser Wandlung ist.
Dieses Geschehen hat die Jünger so verändert, dass sie sogar ihre Umgebung veränderten, also heilten und Wunder wirkten.
Und das, so meine ich, könnten wir eigentlich auch.
Ich sagte eben schon, dass ich Wunder nicht mit Scharlatanerie gleichsetzen möchte.
Ich halte es aber z.B. für ein Wunder, wenn einer, der etwa durch seine schwere Schuld eigentlich kein Pardon zu erwarten hat, Menschen begegnet, die ihn trotzdem annehmen.
Oder: wenn ein kranker, isolierter Mensch aufblüht einfach dadurch, dass ihm nicht aus dem Weg gegangen wird, sondern dass man ihm Zuwendung und Zeit gibt.
Oder: wenn jemand, dem eigentlich niemand mehr etwas zutraut, das Vertrauen geschenkt wird, nochmals eine Aufgabe in die Hand zu nehmen.
Ihnen werden selbst genug Beispiele einfallen.
Sind das etwa keine Wunder?
Und könnten unsere Gemeinden nicht auch Wunder und Zeichen wirken?
Zeichen setzen, wenn sie sich beispielsweise für Rechte einsetzen, die eigentlich jedem Menschen zustehen;
oder wenn sie Werte verteidigen, die in unserer Gesellschaft unterzugehen drohen; oder wenn sie zu Zellen werden, in denen Menschen aufleben können?
Liebe Gemeinde, wir brauchen nicht neidisch 2000 Jahre auf die wundertätigen Apostel zurückblicken. Auch wir können Leute verwundern und Zeichen setzen.
Nur müssen wir das auch wollen!
Wir müssen Veränderungen wollen! Denn das war damals für die Apostel DIE Grundbedingung. Ostern, die Auferstehung hatte sie verändert, hatte sie komplett auf den Kopf gestellt, sie änderten ihr altes Leben und waren so begeistert, dass sie vom Erlebten erzählen mussten. Und dann brachen sie auf, nichts blieb wie es war.
Könnte da unser Problem liegen? Wollen wir das wirklich? Denn erst dann können auch wir Wunder tun.
Lothar Zenetti drückte es vor vielen Jahren so aus:
Frag hundert Katholiken was das wichtigste ist in der Kirche. Sie werden antworten: Die Messe.
Frag hundert Katholiken, was das wichtigste ist in der Messe. Sie werden antworten: Die Wandlung.
Sag hundert Katholiken, dass das wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein: Nein, alles soll bleiben wie es ist!
