Hausgottesdienst 6. Juni

Von Wolfgang Severin

 

Ein Hinweis auf einen Gottesdienst mit Familien für Zuhause finden Sie  am Ende dieser Seite

 

Wir feiern diesen Hausgottesdienst gemeinsam am Esstisch, den wir mit einem Tischtuch gedeckt haben. Darauf stellen wir eine oder zwei Kerzen, einen Teller mit Brot und Becher, einen Krug mit Wein und/oder Wasser.

Bevor wir den Gottesdienst beginnen, halten wir einige Augenblicke Stille.

Wir beginnen den Gottesdienst mit dem Entzünden der Kerze

 

Einleitung:

An Jesus scheiden sich die Geister. Da gibt es Menschen, die begeistert von ihm sind, die seine Nähe suchen. Und da gibt es Menschen, die ihn ablehnen und sein Reden und Handeln mutwillig zunichtemachen wollen. Selbst seine Familie hält ihn für verrückt. –

Wir sind nun um Jesus versammelt, um bei ihm zu sein, um auf ihn zu hören.            Öffnen wir uns für seine Gegenwart.

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

LIED: Liebster Jesu, wir sind hier

1.Liebster Jesu, wir sind hier, / dich und dein Wort anzuhören; / lenke Sinnen und Begier / hin zu deinen Himmelslehren, / dass die Herzen von der Erden / ganz zu dir gezogen werden.

2.Unser Wissen und Verstand / ist mit Finsternis verhüllet, / wo nicht deines Geistes Hand / uns mit hellem Licht erfüllet. / Gutes denken, tun und dichten / musst du selbst in uns verrichten.

https://www.youtube.com/watch?v=sf7xGML3fgU

 

Gebet:

Gott, unser Vater, alles Gute kommt allein von dir. Schenke uns deinen Geist, damit wir erkennen, was recht ist, und es mit deiner Hilfe auch tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen

 

Einer liest:

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

In jener Zeit
ging Jesus in ein Haus
und wieder kamen so viele Menschen zusammen,
dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten.
Als seine Angehörigen davon hörten,
machten sie sich auf den Weg,
um ihn mit Gewalt zurückzuholen;
denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren,
sagten: Er ist von Beélzebul besessen;
mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Da rief er sie zu sich
und belehrte sie in Gleichnissen:
Wie kann der Satan den Satan austreiben?
Wenn ein Reich in sich gespalten ist,
kann es keinen Bestand haben.
Wenn eine Familie in sich gespalten ist,
kann sie keinen Bestand haben.
Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt
und gespalten ist,
kann er keinen Bestand haben,
sondern es ist um ihn geschehen.
Es kann aber auch keiner
in das Haus des Starken eindringen
und ihm den Hausrat rauben,
wenn er nicht zuerst den Starken fesselt;
erst dann kann er sein Haus plündern.
Amen, ich sage euch:
Alle Vergehen und Lästerungen
werden den Menschen vergeben werden,
so viel sie auch lästern mögen;
wer aber den Heiligen Geist lästert,
der findet in Ewigkeit keine Vergebung,
sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
Sie hatten nämlich gesagt:
Er hat einen unreinen Geist.
Da kamen seine Mutter und seine Brüder;
sie blieben draußen stehen
und ließen ihn herausrufen.
Es saßen viele Leute um ihn herum
und man sagte zu ihm:
Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen
und suchen dich.
Er erwiderte:
Wer ist meine Mutter
und wer sind meine Brüder?
Und er blickte auf die Menschen,
die im Kreis um ihn herumsaßen,
und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.
Wer den Willen Gottes tut,
der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

 

Predigt

aus technischen Gründen heute nur als Text:

 

Was für ein Evangelium. Eine menschliche Geschichte von Angst, von Wagnis, von Familienbanden und von neuen Wegen. Eine Geschichte, die uns vermutlich ausgesprochen ungewöhnlich vorkommt- zumindest im Zusammenhang mit der Familie Jesu.

Streit in der Familie Jesu? Wie in einer normalen Familie? Ja- warum nicht?!

Der Sohn ist erwachsen geworden und geht seine eigenen Wege, die Eltern sind besorgt, einige der Geschwister wollen den vermeintlich auf Irrwegen befindlichen Sohn umstimmen.

Eine Konstellation wie es sie in so mancher Familie gibt.

Warum also nicht auch in der Familie Jesu- schließlich war er ganz Mensch wie wir es im Glaubensbekenntnis ausdrücken. Dann wird es wohl auch in der Familie Jesu Streit gegeben haben.

Dennoch will ich diesen Streit nicht in den Mittelpunkt stellen, denn er ist eher Aufhänger als zentrales Thema der heutigen Textstelle.

Schlüssel der Geschichte ist die Austreibung der Dämonen.

Denn das wurde von Jesus berichtet- schon ganz zu Beginn seines Wirkens. So auch hier, denn die Erzählung findet sich im 3. Kap von Mk- also ziemlich zu Beginn.

Jesus trieb Dämonen aus.

Was uns wie Hokuspokus vorkommt, lässt sich vielleicht so übersetzen: Jesus deckte die Abhängigkeiten der Menschen auf, er befreite sie davon.

Auf den ersten Blick würden wir uns heute natürlich davon vollkommen freisprechen. Wir sind freie Menschen in einer freien Gesellschaft. Und doch sind wir es nicht.

Wir sind reguliert durch viele Regeln, vor allem Verhaltensregeln. Wir sind kontrolliert durch soziale Netzwerke in Realität und im Internet.

Vor allem aber sind es ganz viele innere Dämonen, die uns einschränken, die uns innerlich fesseln und besetzen. Vorgaben, die uns gemacht werden, Ansprüche, die wir an uns selbst haben, Ziele und Wege, die uns alternativlos vorkommen. Ein Wort, das in den letzten Jahren immer häufiger seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat; und dabei etwas aufgezeigt hat, was so charakteristisch ist für unsere modernen Dämonen: denn eigentlich ist es doch ausgesprochener Blödsinn von alternativlos zu sprechen. Natürlich gibt es Situationen im Leben, wo die Alternative keine gute ist, wo man vor einer Wand steht und es scheinbar keinen Ausweg gibt. Aber oft ist es doch nicht so:

Es gibt Alternativen, ich bin frei, auch ganz anders zu handeln- und wenn ich nur die EINSTELLUNG zu etwas verändere.

Es gibt immer mehrere Wege, immer. Man muss dazu nur die inneren Stimmen überprüfen, die einem sagen: Das geht nicht, das kannst Du nicht machen, das ist zu ungewöhnlich, das ist gefährlich. Selbstverständlich ist nicht jede innere Stimme unsinnig.

Manche warnt uns auch vor wirklichen Gefahren für Leib und Seele, manche Stimme bewahrt uns vor Fehlern, die im menschlichen Miteinander zu Streit, Verletzungen und Missverständnissen führen würden. Aber es gibt eben auch die mächtigen Stimmen, die uns an alte Gewohnheiten, an Einsichten binden, die Wege verschließen,  Dämonen, die uns Angst machen, uns einschränken und damit den Weg zu dem Leben verschließen, das ich leben könnte, würde ich mich dem öffnen.

Wir sind nicht frei, das wissen auch diejenigen sehr gut, die von ihrem Terminkalender abhängig sind, die in ein Korsett von Treffen, Verabredungen und Verpflichtungen gepresst sind- und dabei auch noch irgendwie Familien- und Sozialleben integrieren müssen. Nein, es gab immer schon Dämonen und sie sind bis heute nicht verschwunden.

Jesu Lebensweise war frei davon. Er lebte wirklich frei, ungebunden. Nur einem einzigen verpflichtet, seinem Vater.

Das war unheimlich und entsprach und entspricht nicht den damaligen und den heutigen Konventionen. Wer das tut, den hält man schon mal für „von Sinnen“ – als seine Angehörigen davon hörten, so hieß es im Evangelium eben
machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen;
denn sie sagten: Er ist von Sinnen
. Die Freiheit von Konventionen, die Freiheit von normalen gültigen Mustern macht misstrauisch.

Und natürlich wollte seine Familie nicht, dass seine Freiheit ihn in Gefahr bringt. Sie wussten oder ahnten zumindest, dass ihn sein Weg, wenn er ihn konsequent zu Ende ging, irgendwann in Konflikt mit den Autoritäten, mit den Traditionshütern bringen würde. Und welche Mutter, welcher Vater möchte sein Kind in Gefahr sehen. So einer muss verrückt sein, es mit der Welt aufzunehmen, sich mit den Mächtigen anzulegen.

Jesus blieb gar keine andere Wahl als sich seiner Familie zu entziehen. Wenn sie ihn festhalten wollten, war seine Freiheit dahin. Er konnte gar nicht anders als die zu seiner Familie zu erklären, die seinen Weg der Freiheit mitgehen wollten.

Es geht einem auf, warum der Evangelist diese Geschichte so erzählt: Gott will, dass die bösen Geister vertrieben werden, die Ängste, die die Herrschaft –das Gottesreich- aufhalten. Jesus wird dafür sogar in den Tod gehen.

Ob seine Familie ihn schützen will? Ja natürlich.

Ob alle wissen, wohin der Weg geht, den Jesus einschlägt? Vermutlich- zumindest ein Teil.

Ob seine Mutter Angst um ihn hat? Sehr wahrscheinlich- und aus ihrer Sicht mit Recht, denn am Ende sehen wir sie unter dem Kreuz stehen.

Heraus lässt sich Jesus nicht rufen. Er bleibt an seinem Ort, auf seinem Weg, in seiner Berufung. Wir hören ihn sagen – von Anfang an: Kehrt um – das Reich Gottes ist nahe. Die ersten, die das zu spüren bekommen, sind die bösen Geister – die zweiten: Jesu Familie.

Wenn es darum geht, die Geister, die die Welt beherrschen, auszutreiben – wird es ohne Streit, auch ohne Missverständnisse nicht abgehen. Dass sogar die engste Familie Jesu keinen anderen Rat weiß, als ihn für verrückt zu erklären, mag befremden, fromme Ohren stören, Enttäuschungen provozieren, aber: die Botschaft der Liebe und der Freiheit kann nicht ohne Entscheidungen gelebt werden- Entscheidungen, die nie alle nachvollziehen können. Und doch getroffen werden müssen, will man diesem Gott der Liebe und der Freiheit folgen.

 

 

Bitten

V Jesus, dir vertrauen wir unsere Bitten an

Für die Menschen, die dich suchen.A Erbarme dich ihrer.

V Für die Menschen, die dich ablehnen.

V Für die Familien, die zerstritten sind.

V Für die Jugendlichen, die ihren Weg suchen.

V Für alle, die sich nach Heilung sehnen an Leib und Seele.

V Für alle, die von Hass und Neid erfüllt sind.

V Für alle, die in ihren Ängsten gefangen sind.

V Für alle, die verbittert sind.

 

Agape

 

Gebet über Brot und Wein

Jemand betet:

Guter Gott, von Dir kommt unser Leben und Du erhältst es. Segne dieses Brot, das wir jetzt miteinander teilen und essen werden. Segne diesen Becher, den wir jetzt miteinander teilen und trinken werden. Sie sind ein Zeichen des Lebens, das Du uns geschenkt hast und ein Zeichen unserer Gemeinschaft.

Wir denken dabei an Jesus, an das Mahl, das er mit seinen Freunden, seinen Jüngern gefeiert hat bevor er bereit war, ganz Deinem Willen zu folgen.

Wir bitten Dich: lass uns aus seiner Kraft in Liebe und Frieden leben; dann wird er selbst unter uns sein, dann werden wir sein Leib sein in dieser Welt bis in Ewigkeit.

Darum bitten wir Dich, durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Retter und Herrn. Amen.

 

Wir schenken jedem einen Becher, ein Glas ein. Danach bricht jeder ein Stück von dem Brot und reicht das Brot weiter. Wenn alle ein Stück Brot haben, essen und trinken wir gemeinsam in Stille.

Vater unser

 

Segensgebet

HERR, du bist unser Licht und unser Heil.

HERR, du bist unsere Zuflucht.

HERR, segne uns und alle, mit denen wir uns verbunden fühlen.

Segne uns und alle, mit denen wir uns schwer tun.

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Lied: Lobe den Herren https://www.youtube.com/watch?v=PvC5PAjsFnI

 

 

FÜR FAMILIEN:

https://www.sankt-laurentius-kleinostheim.de/images/20210606Familiengottesdienst_10So.pdf