Gedanken zum Tag 5. Juni

 

Bonifatius, Apostel der Deutschen, so wird er genannt, dessen Gedenktag auf den heutigen 5 Juni fällt.

Neben den Daten, die über ihn bekannt sind- die Sie im Übrigen weiter unten zusammengefasst finden- verbindet sich mit ihm die Fällung der Hl. Eiche, die dem Germanengott Donar/Thor gewidmet war. Zur Überraschung der Anwesenden, die Blitze und Donner als Rache erwartet hatten, geschah- nichts!  Dies führte dazu, dass sich eine größere Zahl dieser Anwesenden taufen ließ und damit zu Christen wurden.

Diese Geschichte ist 1.300 Jahre alt und man darf sich fragen, welche Bedeutung sie neben der Historie heute hat.

Nun, nehmen wir einmal an, die Eiche stünde nicht nur für den Glauben der Germanen, der in den Augen der Christen ein Irrglaube war, sondern sie stünde für alles, was von Menschen als göttlich verehrt wird, in Wahrheit aber nur dem berühmten Goldenen Kalb aus dem Buch Exodus gleicht: Ein Popanz, Werk von Menschen, ohne wirkliche Kraft ausgestattet. Würden sich dann nicht Fragen auch für heute ergeben?

Welche Eiche würde der Heilige Bonifatius heute fällen? Was verehren wir so, dass es uns ablenkt, so, dass es unserer wirklichen Bestimmung zum Leben im Wege steht? Was sind unsere goldenen Kälber?

Und hätten wir den Mut diese Eichen zu fällen? Würden wir uns gegen die landläufig als vermeintlich richtig angesehene Wahrheit stellen? Würden wir in Kauf nehmen, ggf. ausgeschlossen, verachtet oder schlichtweg ignoriert zu werden? Könnten wir das ertragen?

Würden wir die Donar-Eichen der Gegenwart überhaupt identifizieren?

Eine gute Übung könnte es sein, einen Tag, warum nicht heute, einmal die Sinne wachzuhalten für diese Eichen in unserem Leben, in unserer Gegenwart, in unserer Gesellschaft. Wir müssen sie ja nicht gleich fällen, aber sie zu identifizieren, ihre Macht zu hinterfragen, wäre schon ein erster und wichtiger Schritt.

Bonifatius, ursprünglich Winfrid, um 673 im Königreich Wessex in England geboren, wurde in den Klöstern Exeter und Nursling erzogen. Mit dreißig Jahren wurde er zum Priester geweiht, mit vierzig reiste er zum ersten Mal als Missionar nach Germanien. Dreimal machte er die Reise nach Rom. Von Papst Gregor II. erhielt er 719 den Missionsauftrag und den Namen Bonifatius. 722 die Bischofsweihe. Von Gregor III. wurde er 732 zum Erzbischof ernannt. Er organisierte die Kirche in Bayern, Hessen und Thüringen durch Gründung von Bistümern und versuchte, die fränkische Kirche durch Synoden zu reformieren. Wo er missionierte, errichtete er auch Klöster als Mittelpunkte der Missionsarbeit, Orte des Gebets und Pflanzstätten der Kultur. Seine Lieblingsgründung war das Kloster Fulda (744), wo er auch begraben ist und wo sich seit 1869 die deutschen Bischöfe zu ihren jährlichen Konferenzen versammeln. Am 5. Juni 754 wurde Bonifatius mit 52 Begleitern bei Dokkum von den Friesen erschlagen. Er wird der Apostel Deutschlands und auch der Apostel der abendländischen Kultur genannt.

Wolfgang Severin