Gedanken zum Tag 26. Juni

Die Lesung vom 25. Juni ist Matthäus 7 entnommen: ‚…Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute…‘.

Als ich es heute morgen auf Englisch hörte, kam bei mir noch viel mehr das Unwohlsein auf, das ich gemeinhin habe, wenn in der Bibel von Felsen, festen Burgen und dergleichen die Rede ist. Denn was mir auf Englisch fehlt, ist die Vertrautheit mit dem Text, die mich normalerweise einfach über manches Unbehagen hinweghören oder -lesen läßt: ‚It had been set solidly on rock‘.

Ich empfand den Text jetzt fast als aggressiv, jedenfalls aber als abweisend und streng. Warum so unbeugsam? So unbeweglich? ‚Ein feste Burg ist unser Gott‘. Man kann die strengen Herren des 16. Jahrhunderts förmlich hören. Ich habe das Lied noch nie gemocht. Und heute morgen wurde mir plötzlich klar warum.

Ich identifiziere mich mehr mit dem Fließenden, dem Anpassungsfähigen, dem Anschmiegsamen, dem Unsicheren, auf dem ich die Balance selber finden muß. All das symboliert der Sand. Er verlangt ständige Aufmerksamkeit. Ich möchte, dass mein Haus des Glaubens auch auf Sand nicht einstürzt. Und es soll immer offen sein für Gäste, für jeden der neugierig ist. Ich möchte keine Trutzburg als Hort des Glaubens, ich möchte beweglichen Sand.

Katharina Knapton