Gedanken zum Tag 24. Juni

Johannes der Täufer- der so alttestamentlich erscheinende, aber mit seiner Botschaft, in der er auf Jesus Christus hinweist ganz im Zentrum des Neuen Testamentes stehende Prophet, ist für viele zum Urbild des Propheten geworden: Knorrig, unbezwingbar und vom Zeitgeist unerschütterlich, faszinierte er  schon seine Zeitgenossen und viele Menschen durch alle Zeitalter hindurch. Auch teilt er das brutale Ende seines Lebens mit vielen anderen Propheten, weil deren Botschaft immer das Bestehende in Zweifel ziehen- in ihrer Unbeirrbarkeit werden solche Menschen schnell lästig, weil sie das Gewohnte in Frage stellen.

Ein anderer Aspekt des Propheten-Daseins kommt in einer bekannten Geschichte von Sören Kierkegaard zum Ausdruck, die hier noch einmal nachzulesen ist:

DER BRENNENDE WANDERZIRKUS

Sören Kierkegaard

Ein Reisezirkus brach in Flammen aus, nachdem er sich am Rande eines dänischen Dorfes niedergelassen hatte. Der Direktor wandte sich an die Darsteller, die schon für ihre Nummer hergerichtet waren, und schickte den Clown ins Dorf, um Hilfe beim Löschen des Feuers zu holen, das nicht nur den Zirkus zerstören, sondern über die ausgetrockneten Felder rasen und die Stadt selber vernichten könnte. Der angemalte Clown rannte Hals über Kopf auf den Marktplatz und rief allen zu, zum Zirkus zu kommen und zu helfen, das Feuer zu löschen. Die Dorfbewohner lachten und applaudierten diesem neuen Trick, durch den sie in die Schau gelockt werden sollten. Der Clown weinte und flehte, er versicherte, dass er jetzt keine Vorstellung gäbe, sondern dass die Stadt wirklich in tödlicher Gefahr sei. Je mehr er flehte, desto mehr johlten die Dörfler, bis das Feuer über die Felder sprang und sich in der Stadt selbst ausbreitete. Noch ehe die Dörfler zur Besinnung kamen, waren ihre Häuser zerstört.


Zum Bedenken: 

Die Träger der christlichen Botschaft tragen mitunter eine schwer verständliche Botschaft vor und stoßen damit auf taube Ohren. Die angesprochenen Menschen wähnen sich sicher. Sie hören zwar die Botschaft, aber nehmen sie nicht ernst.
Ist das nicht Prophetenschicksal damals und heute?

Was der Clown zu sagen hat, ist wichtig! Es geht ja nicht nur um den brennenden Wanderzirkus, sondern um den Brand des Dorfes, um eine Auswirkung, der sich auch die Zuhörer nicht entziehen können.

Wen Gott in die Prophetenrolle ruft, der muss kompromisslos folgen und muss auch mit Ablehnung rechnen.

Wir alle sind berufen, für Christus Zeugnis abzulegen- in Wort und Tat.

Was würde Johannes heute predigen?

Welchem Lebensstil würde er folgen?

Wem wäre er unbequem?

Wer würde heute seinen Kopf auf dem Silbertablett servieren?

Aus welcher Quelle würde er leben?

Wie würde er diese in der heutigen Zeit lebendig erhalten?

Fragen, nicht nur für einen Tag, aber besonders für heute!

Wolfgang Severin