Gedanken zum Tag 23. Juni

Eines der für mich tiefer gehenden neuen Lieder aus dem Gotteslob: “Das Jahr steht auf der Höhe”. Der Text ist es wert meditiert zu werden, interpretiert er doch das Wechselspiel der Jahreszeiten, die Höhen und die Tiefen und bettet sie in ein höheres Ganzes ein:

1. Das Jahr steht auf der Höhe,
die große Waage ruht.
Nun schenk uns deine Nähe
und mach die Mitte gut.
Herr, zwischen Blühn und Reifenund Ende und Beginn.
Lass uns dein Wort ergreifen
und wachsen auf dich hin.
2. Kaum ist der Tag am längsten,
wächst wiederum die Nacht.
Begegne unsren Ängsten
mit deiner Liebe Macht.
Das Dunkle und das Helle,
der Schmerz, das Glücklichsein
nimmt alles seine Stelle
in deiner Führung ein.
3. Das Jahr lehrt Abschied nehmen
schon jetzt zur halben Zeit.
Wir sollen uns nicht grämen,
nur wach sein und bereit,
die Tage loszulassen
und was vergänglich ist,
das Ziel ins Auge fassen,
das du, Herr, selber bist.
4. Dein Jahr nimmt zu für immer,
und unser Jahr nimmt ab.
Dein Tun hat Morgenschimmer,
das unsre sinkt ins Grab.
Gib, eh der Sommer scheitert,
der äußre Mensch vergeht,
dass sich der innre läutert
und zu dir aufersteht.

 

Und wenn Sie dann noch einen zusätzlichen Moment Zeit haben, lassen Sie mit den Orgelimprovisationen zu diesem Lied aus dem Paderborner Dom Ihren Gedanken freien Lauf:

https://www.youtube.com/watch?v=Y35rYyF_Yt0

Wolfgang Severin