Gedanken zum Tag 18. Juni

Manchmal lohnt sich ein Blick in die Lesungen der Gottesdienste an einem Wochentag. Der Schott Online, den man auch als Tagesimpuls jeden Morgen lesen kann, liefert am heutigen Donnerstag großes Kino.

 

DONNERSTAG DER 11. WOCHE IM JAHRESKREIS (18. Juni)

Lesung aus dem Buch Jesus Sirach

Sir 48, 1-14 (1-15)

 

In jenen Tagen

stand Elija auf, ein Prophet wie Feuer, seine Worte waren wie ein brennender Ofen.

Er entzog ihnen ihren Vorrat an Brot, durch sein Eifern verringerte er ihre Zahl.

Auf Gottes Wort hin verschloss er den Himmel, und dreimal ließ er Feuer herniederfallen.

Wie Ehrfurcht gebietend warst du, Elija, wer dir gleichkommt, kann sich rühmen.

Einen Verstorbenen hast du vom Tod erweckt, aus der Unterwelt, nach Gottes Willen.

Könige hast du ins Grab geschickt, Vornehme von ihren Lagern hinweg.

Am Sinai hast du Strafbefehle vernommen, am Horeb Urteile der Rache.

Könige hast du gesalbt für die Vergeltung und einen Propheten als deinen Nachfolger.

Du wurdest im Wirbelsturm nach oben entrückt, in Feuermassen himmelwärts.

Von dir sagt die Schrift, du stehst bereit für die Endzeit, um den Zorn zu beschwichtigen, bevor er entbrennt, um den Söhnen das Herz der Väter zuzuwenden und Jakobs Stämme wieder aufzurichten.

Wohl dem, der dich sieht und stirbt; denn auch er wird leben.

 

Elija, was für eine Gestalt, wahrlich ein Superman des Alten Testamentes. Mit nichts wird hier gespart: Feuer, Sturm, Strafe, Vergeltung, Rache, Herr über Leben und Tod. Klare Kante. Hier greift einer so richtig durch. Im Auftrag Gottes, wohlgemerkt.  Die Witwe von Sarepta bewahrt er vor dem Hungertod und bringt ihren Sohn ins Leben zurück. Die Priester des Baal hingegen lässt er ertränken (1 Kön 17 bzw 18). Elija sollte man immer auf seiner Seite haben, sonst wird es kritisch.

Texte des Alten Testamentes sind immer eine faszinierende, aber auch sprichwörtlich befremdende Lektüre. Sie zeigen uns die historischen Wurzeln unseres Glaubens, verweisen aber auch auf eine uns sehr ferne, archaische Welt beherrscht von Furcht, Vergeltung und Sühne.

So weit, so gut. Ich frage mich indes, zu welchem Zweck uns das in der Messe vorgelesen wird? Etwa noch zur Einschüchterung, womöglich mit donnernder Stimme? Als Aufruf, es irgendwie Elija nachzumachen? In der insgeheimen Bewunderung für wahre Helden und den starken Mann? In der Hoffnung, dass auch heute wieder jemand kommt und mal so richtig aufräumt? Die Sehnsucht nach einem spürbaren Gott, der wieder straft und belohnt eingedenk des Bibelspruches „Wen Gott liebt, den züchtigt er“? Wahrscheinlich habe ich alles gründlich missverstanden.

Ein eindrucksvoller Text, aber wenn ich lese „Seine Worte waren wie ein brennender Ofen“, gehe ich lieber erst einmal in Deckung.

 

Ulrich Hüschen