Gedanken zum Tag 13. Juni

Freitag früh brachte mir ‘Pray as you go’ die Lesung aus Könige 19:

 

‘Elija ging in eine Höhle, um darin zu übernachten… Doch der Herr sagte zu ihm: Komm heraus, und stelle dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: ein starker heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer.

 

Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

 

Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

 

Was ein wundervolles Bild: ein sanftes, leises Säuseln, eine Sommerbrise, etwas Luft, aber nicht zuviel, eine Begleitung, eine Begegnung, aber keine Konfrontation, ganz sanft, nicht zu mächtig. Kein Paukenschlag, ganz leise. Man muß aufpassen, das leise Säuseln (was für ein wunderbares, altmodisches Wort) überhaupt wahrzunehmen. Aber wenn ich es wahrnehme, fühle ich mich geborgen, ganz ohne Angst, gehalten, aufgehoben. Gott kommt nicht mit einem Paukenschlag. Nein, Gott hält mich in seiner Hand. Dort kann ich ganz ich selber sein. Dort muß ich niemandem etwas zeigen, nicht einmal mir selbst. Ist das nicht wunderschön?

 

Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

 

Und in den letzten Monaten konnte ich viel von diesem sanften, leisen Säuseln wahrnehmen. Das Leben in slow motion, ganz langsam, kein hektisches zum Flugzeug Rennen, keine hektische Wochenendplanung, kein Konzert hier und Oper da, keine Dinnerparties, keine lauten Cafés (nur zuviel Arbeit).

 

Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

 

Und nun kommt das Feuer zurück: Die Restaurants und Cafés trotz Regens heute Abend voll; kein Zeichen von ’social distancing’. Der Verkehr nimmt zu. Der Sportplatz gegenüber sprüht wieder vor Leben. Kinder und Erwachsene lachen und erfreuen sich hörbar des Lebens.

 

Und was wird mit dem sanften, leisen Säuseln? Werden wir es nicht mehr hören, wenn die Flugzeuge wieder über unsere Köpfe hinwegfliegen, wenn der alte Lärm zurück ist, wenn die physische Hektik wieder einsetzt?

 

Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Könnte ich es doch nur festhalten! Für Immer! Gott, hilf mir dabei.

Katharina Knapton