Gedanken zum Tag Sommer 2020

Der Samstag kurz vor oder nach dem 1. Juli wird in der Schweiz „Bündelitag“ genannt. Jeder packt sein „Bündel“ und reist in die Ferien. – Auch hier in Belgien beginnen die großen Ferien punktgenau am 1. Juli, ob dies nun ein Freitag, ein Montag oder wie in diesem Jahr ein Mittwoch ist. Und spürbar wird mit diesem Tag die Stadt leerer, obwohl sicher nicht alle zur selben Zeit verreisen.

Wie mag es in diesem Jahr sein? Lange dachten wir, dass uns in diesem Sommer diesbezüglich enge Grenzen gesteckt werden. Grenzen, die wir seit Mitte März in vielerlei Hinsicht wieder gesehen, erlebt und gespürt haben: die plötzlich wieder verschlossenen Landesgrenzen, die Grenzen, die unserer Freiheit, unserem Bewegungsraum gesetzt wurden, Grenzen unseres Wissens, …

Kein Wunder, dass wir mit zunehmendem „Déconfinement“ unsere Freiheit wieder mehr und mehr schätzen lernen, wieder Pläne machen, Orte außerhalb Brüssels und Familie und Freunde dies- und jenseits der Landesgrenzen zu besuchen. Kein Wunder, dass wir alle auch Ferien brauchen, obwohl wir teilweise schon lange nicht mehr im Büro oder in der Schule waren und sich das Confinement zu Beginn ein wenig wie Ferien angefühlt hatte. Doch haben wir vielleicht in diesem Jahr Ferien nötiger denn je, denn die Arbeit, die wir sonst nachmittags oder abends in der Schule oder im Büro zurückgelassen haben, umgibt uns nun omnipräsent zu Hause.

Ferien – das Wort stammt seiner Etymologie folgend von dem lateinischen Wort feriae, das „Festtage, Ruhetage, ursprünglich die für religiöse Handlungen bestimmte Tage“ bedeutete. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte es sich als Bezeichnung für die arbeits- und schulfreie Zeit allgemein.

Ferien – ein zauberhaftes Wort, man kann mit seinen Buchstaben F-E-R-I-E-N spielen, mit seinen Buchstaben neue Wörter bilden:

FERIEN

FEIERN

FREI

FERNE

FEIN

REIF, REIFEN

Ja, Ferien sind eine Zeit,

  • in denen wir uns besonders frei fühlen, frei von jeglichen Verpflichtungen, Zwängen und Sorgen
  • in denen es uns in die Ferne zieht, weg von Alltag, Arbeit und Gewohnheit
  • die einfach fein, schön, entspannt, erholsam, … ist
  • in welcher wir das Leben feiern
  • in welcher unsere Kinder, insbesondere die kleineren, immer einen Sprung machen und zusehends reifen.

Erinnern wir uns, dass früher das Wort gebraucht wurde, um ein Fest oder einen Feiertag anzuzeigen, eine Zeit, in welcher man sich vom Alltag lösen und dem Göttlichen zuwenden konnte. Mögen wir unsere Ferien dieses Jahr bewusster auch in diesem Sinne wahrnehmen, frei sein, Ruhe haben, um auch auf Gott hören zu können.

Viel müssen wir nicht in unsere „Bündeli“ packen, wie wenig wir brauchen, um Ferien genießen zu können, haben wir in den vergangenen Monaten vielleicht erfahren. – Allen eine schöne Ferienzeit!

Birgitta Pabsch

Hiermit gehen die “Gedanken zum Tag” in die Sommerferien.  Sie werden zum gegebenen Zeitpunkt wieder aufgenommen